Donnerstag, 14. Februar 2013

Windschlüpfrige Form, teuer verpackt: Stromlinie



Rückblende: Beim ADAC Motorwelt Autobuch Preis 2012 gab es in der Kategorie „Design“ gleich zwei Gewinner. Das unsägliche „Mercedes-Benz 300 SL Book“ von René Staud und dieses hier: „Stromlinie“, von Malte Jürgens und Michel Zumbrunn. Das Fazit der Jury damals: „Alle Leute, die sich dafür interessieren, sollten es sich ins Regal stellen, und sie sollten es rasch tun, denn es gibt nur 1000 Stück. Die gute Nachricht: Sie haben was Rares. Die schlechte: Es kostet 300 Euro.“


Knappe vier Monate später ist das Buch immer noch nicht ausverkauft; wer also nicht „rasch“ in die nächste Buchhandlung rannte, scheint keinen Fehler gemacht zu haben. Da drängt sich doch die Frage auf, ob „Stromlinie“ vielleicht einfach zu teuer ist?
Zum Hintergrund: 2009 zeigte das Hamburger Automuseum Prototyp eine Ausstellung mit immerhin 25 Stromlinien-Autos. Neben den üblichen Verdächtigen – wie z.B. Autobahn-Adler oder BMW 328 Mille Miglia Coupé – waren auch erquicklich viele Exoten dabei: Kamm K3-Wagen, Goliath GP 700 Sport oder Volkhart Sagitta sind nicht alle Tage an einem Fleck versammelt. 


Unter diesen Voraussetzungen konnte „Stromlinie“ kein schlechtes Buch werden, im Gegenteil: Autor Malte Jürgens legt das Thema unterhaltsam dar, ohne technische Hintergründe vermissen zu lassen. Fotograf Michel Zumbrunn betont vor schwarzem Hintergrund die Formen der Autos. Lobenswert auch die typografische Gestaltung: In weiß auf schwarzem Grund gesetzt, ist die Schrift problemlos lesbar, und eine Doppelseite schmückt sich auch mal ohne Bild. Ein vortrefflicher Schmöker, den man gerne zum Blättern hervorholt.


Trotz der hochwertigen Fotografien fehlt es dem Buch aber ausgerechnet an...Bildern: Auf 324 Seiten scheint kein Platz für historische Fotos geblieben zu sein; nur wenige finden sich hier und da, als seien sie notgedrungen noch irgendwie untergebracht worden. Nun ist historisches Bildmaterial in einem Buch, das kein „Fachbuch“ oder Nachschlagewerk sein will, natürlich nicht zwingend notwendig; andererseits fehlt es dem Buch an eben jenem „gewissen Etwas“, das den Preis von 298 Euro rechtfertigen könnte: Schon die Größe (24 x 32,5 cm Querformat) beeindruckt wenig, steht im Regal hinter weit banaleren Titeln (aber eben größeren) Büchern zurück. Auch was die Druckveredelung und die übrige Ausstattung angeht, kann „Stromlinie“ mit keiner Revolution aufwarten.


Zum Vergleich: Das Buch „Facel Vega – L‘histoire complète“ (erschienen im November 2012) ist auf 500 Exemplare limitiert, umfasst zwei Bände mit Schuber, genießt in Fachkreisen hohes Ansehen als einmaliges Referenzwerk, ist hochwertig ausgestattet. Und bereits vergriffen – bei einem Preis von „nur“ 250 Euro!


Fazit: „Stromlinie“ bietet guten Durchschnitt zum hohen Preis. Angemessen wäre vielleicht eine höhere zweistellige Euro-Zahl, denn unterm Strich fehlt es für die gewählte Preisklasse entweder am inhaltlichen, oder am materiellen Mehrwert. Ein Buch wird nicht allein durch eine limitierte Auflage und einen hohen Preis begehrenswert; unverständlich, wieso ausgerechnet der Motorbuch Verlag diesem Irrglauben erlegen ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass etwas von der „Stromlinien-Qualität“ auf das übrige Verlagsprogramm abfärbt.

Malte Jürgens, Michel Zumbrunn: Stromlinie. 324 Seiten, 180 Abb., Format 24 x 32,5 x 2,8 cm, Hardcover (Leinen) im Schuber, Motorbuch Verlag, 298,00 €, ISBN 978-3-613-03122-7, limitierte Auflage (1000 Stück).

Weitere Informationen: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen